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Carolinensiel ist ein Ort der Stadt Wittmund im gleichnamigen Landkreis Wittmund in Niedersachsen. Namensgeberin des 1730 gegründeten Sielortes und Fischerdorfes war die Gemahlin Sophie Caroline des Ortsgründers Georg Albrecht von Ostfriesland. Wo heute Carolinensiel liegt, befand sich noch vor wenigen Jahrhunderten ein Ausläufer der Nordsee. Die Harlebucht erstreckte sich zwischen dem heutigen Neuharlingersiel und Minsen bis kurz vor Funnix und Werdum. Um 1500 begann man mit der systematischen Landgewinnung durch Eindeichung. Stück für Stück wurde der Nordsee neues, fruchtbares Marschland abgerungen. Zur Vermeidung von Konflikten um das neue Land einigten sich im Jahr 1666 Fürstin Christine Charlotte von Ostfriesland und der Herr von Jever, Graf Anton Günther von Oldenburg, auf die zukünftige Grenze. Vom Treffpunkt der ostfriesischen und jeverschen Deiche am Pfahldeich südöstlich von Carolinensiel zog man auf der Seekarte mit goldener Tinte eine Linie bis zu einem Punkt genau zwischen den Inseln Spiekeroog und Wangerooge. Die „Goldene Linie“ ist heute noch die Grenze zwischen dem ostfriesischen Landkreis Wittmund und dem Landkreis Friesland. Die alte Bahnlinie (Jever Bf - Harle Bf) der ehemaligen Großherzoglichen Oldenburgischen Staatseisenbahnen (GOE) nach Harlesiel und der Fähranleger nach Wangerooge liegen schon auf friesländischem Gebiet, da sie zur Anbindung der ebenfalls friesischen/oldenburgischen Insel Wangerooge dienten. Die Grenze verläuft mitten durch das Hafenbecken. Carolinensiel entwickelte sich auch wegen seiner geschützten Lage zum wichtigsten Hafen im nördlichen Ostfriesland. Durch den Bau des neuen Deichs und der Friedrichsschleuse im Jahr 1765 war er als einziger ostfriesischer Sielhafen dem Meer nicht mehr direkt ausgesetzt und vor Sturmfluten geschützt. Der Bau eines offenen Siels und einer Klappbrücke an der Friedrichsschleuse ermöglichte es den Segelschiffen, den alten Hafen problemlos zu erreichen. Von Carolinensiel aus stachen kleine Frachtensegler in See. Mit ihrem geringen Tiefgang waren sie an das Wattenmeer angepasst. Die Schiffe hatten 3 bis 6 Mann Besatzung und befuhren die Nord- und Ostsee sowie das Mittelmeer. Einige von ihnen überquerten sogar den Atlantik. Die Schiffer exportierten die Agrarprodukte der Marsch: Getreide, Gemüse, Kartoffeln und Milchprodukte. Importiert wurden Holz, Steine, Kohle und Kolonialwaren aus Skandinavien und Großbritannien mit seinen Kolonien. Im Hafen an der Friedrichsschleuse waren die Fischkutter beheimatet. Sie fingen Plattfisch und Muscheln, vor allem aber Krabben (Nordseegarnelen). Bis in die 1930er Jahre war in Carolinensiel eine Konservenfabrik ansässig, die Muscheln und Krabben bis nach Berlin verschickte. Viele Bauernfamilien im Hinterland verdienten sich ein Zubrot durch das Schälen von Granat, den Speisekrabben für den menschlichen Verzehr. Vor der Friedrichsschleuse betrieb die Firma Albrecht eine Darre, auf der kleinere Krabben, der Gammel, für die Verarbeitung zu Viehfutter getrocknet wurden. Nach dem Bau des neuen Außenhafens in Harlesiel fanden die Carolinensieler Kutter dort eine neue Heimat. Mit der ersten Badesaison auf Wangerooge im Jahr 1804 begann auch für Carolinensiel die Geschichte des Nordseetourismus. Der Ort wurde zur Durchgangsstation für die Badegäste der Inseln. Die Fährschiffe nach Wangerooge und Spiekeroog legten zunächst von der Friedrichsschleuse ab. Die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn (GOE) eröffnete 1888 die Bahnlinie von Jever nach Carolinensiel (1988 Stilllegung). 1890 wurde sie zum Fähranleger in Harlesiel verlängert. Der Zugfahrplan richtete sich nach den Gezeiten. Der Versuch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Carolinensiel selbst als Seebad zu etablieren scheiterten noch an der Konkurrenz der Inseln. Die Entwicklung hin zum Nordseebad begann 1953 mit dem Bau des neuen Deichs, des Schöpfwerks und des Hafens in Harlesiel. Durch die Aufschüttung von 20.000 m³ Sand schuf man einen eigenen Badestrand. In der Folgezeit kamen Strandhalle, Campingplatz und Meerwasserfreibad hinzu. Bis 1989 unterhielt die Deutsche Bundesbahn einen Bahnhof in Harlesiel an der Bahnstrecke Jever–Harle, der Flugplatz Harle nahm 1973 seinen Betrieb auf. Die Konzentration von Bahnstation, Fähranleger und Flugplatz im Umkreis von 500 Metern war einmalig. 1980 wurde das Haus des Gastes an der Kurpromenade fertiggestellt, 1983 der Ort als Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel staatlich anerkannt. 1984 öffnete das Deutsche Sielhafenmuseum seine Türen, und von 1986 bis 1990 wurden der Museumshafen und die Friedrichsschleuse wiederhergestellt. In Carolinensiel, Friedrichsschleuse und Harlesiel kann mit den drei Deichen und den drei Häfen die Geschichte vom Frachthafen über den Fischereistandort bis hin zum Nordseebad noch heute hautnah erlebt werden. Das Deutsche Sielhafenmuseum liegt mit seinen vier historischen Ausstellungshäusern (Groot Hus, Kapitänshaus, Alte Pastorei und dem alten Seenotrettungsschuppen) rund um den Museumshafen in Carolinensiel. Das "Groot Hus" ist der im Jahr 1840 fertiggestellte Kornspeicher am Alten Hafen. Er zeigt auf seinen Speicherböden eine Ausstellung über Land und See, die Geschichte der Siele und Häfen, des Deichbaus sowie der Fischerei und der Segelschifffahrt. Vom Leben an Land erzählt das "Kapitänshaus", in dem die gute Stube einer Kapitänsfamilie gezeigt wird. Zur Ausstellung gehören auch die Hafenapotheke, ein ehemaliger Kaufmannsladen und eine Seemannskneipe. Im "Marie-Ulfers-Zimmer" können Trauungen vorgenommen werden. Die "Alte Pastorei" beherbergt eine Dauerausstellung über das maritime Handwerk zu den Handwerksberufen Schiffszimmerer, Schmied, Seiler und Segelmacher. Daneben gibt es eine Sammlung originalgetreuer Modelle historischer Segelschiffe und die Gemäldegalerie "Mensch und Meer". Die vier Gebäude des Museums stehen unter Denkmalschutz.